Der Mangel an Fachkräften macht der Logistik zu schaffen. Kaum ein anderer Sektor ringt so sehr um das Wohlwollen von Bewerberinnen und Bewerbern.

Das liegt zum einen am schlechten Image der Logistik in der breiten Öffentlichkeit. Stereotype Vorurteile werden Deutschlands drittgrößtem Wirtschaftsbereich vielfach nicht gerecht. Zum anderen gibt es Defizite im strategischen Personalmarketing und in der zielgruppengerechten Ansprache von potenziellen Mitarbeitenden. Im mainblick Sommerinterview KLARTEXT erklärt HR-Expertin Nicola Wittland von Hellmann Worldwide Logistics unter anderem, wie ihr Unternehmen um die Gunst der Bewerber.innen und Bewerber wirbt und welche Maßnahmen besonders erfolgreich sind.


Erfolgreiches Personalmarketing basiert nach Einschätzung von Nicola Wittland, HR-Manager Marketing und Recruiting bei Hellmann Worldwide Logistics, auf zwei Säulen: Präsenz und Authentizität. Unternehmen müssten glaubwürdig in den Sozialen Medien und bei den eigenen Mitarbeitenden auftreten, so ihr Credo. Es sei dabei wichtig zu wissen: „Wie ist meine Zielgruppe unterwegs, wo finde ich meine Zielgruppe und wie kann ich sie für das Unternehmen und die Logistik begeistern?“

 

Soziale Medien sind fester Bestandteil im Recruiting

Besonders gute Erfahrungen habe man bei Hellmann während der Lock-down-Phasen mit den Plattformen kununu und XING gemacht. „Man erreicht einen großen Kreis“, weiß Nicola Wittland und ergänzt: „Trotzdem beschränken wir uns auf die wenigen Zielgruppen, bei denen wir den größten Mangel haben.“ Zusätzlich trage beispielsweise das Engagement bei der Image-Initiative „Die Wirtschaftsmacher“ dazu bei, Menschen für einen Job in der Logistik zu begeistern. „Wir haben viele Themen, die wir für einen breiten Kreis aufbereiten. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hier tolle Multiplikatoren“, freut sich Nicola Wittland über den Schneeball-Effekt. Um den Erfolg der Aktivitäten zu messen, werden verschiedene Kennzahlen genutzt: Neben Impressionen, Likes und Views wird auch erfasst, wie schnell eine offene Stelle besetzt worden ist. Auch der Erfolg der unterschiedlichen Kanäle werde genau durchleuchtet, verrät die HR-Expertin.

 

Work-Life-Balance wird wichtiger

Bewerberinnen und Bewerber haben sehr unterschiedliche Erwartungen an ihren Job. „Die Anforderungen sind sehr heterogen, es gibt nicht DEN einen Bewerber“, plaudert Nicola Wittland aus dem Nähkästchen. Manch eine oder einer möchte einfach einen guten Job machen und nach Feierabend nichts mehr damit zu tun haben. Manche Kandidat.innen möchten sich entwickeln und weiterkommen. Hier könne der Logistikdienstleister mit der unternehmenseigenen Academy punkten. Wieder andere Bewerberinnen und Bewerber seien auf der Suche nach einem möglichst abwechslungsreichen Betätigungsfeld, zum Beispiel in der Disposition oder im Umschlaglager. Bei allen Bewerber.innen-Kategorien werde die Work-Life-Balance spürbar wichtiger. Das Thema Nachhaltigkeit stehe ebenso regelmäßig auf der Agenda wie die Frage nach flexiblen Arbeitszeiten – abhängig vom Alter und den Lebensumständen der Kandidat.innen. Zufrieden ist Nicola Wittland mit der Anzahl und Qualität der Bewerbungen. In Bereichen wir der IT sei der Mangel an Fachkräften hingegen deutlich zu spüren. Außerdem spiele der jeweilige Standort eine wichtige Rolle.

 

Interne Kommunikation als Herkulesaufgabe

Während der Pandemie seien die Herausforderungen im Bereich der internen Kommunikation deutlich gestiegen. Vor allem die digitalen Kanäle hätten an Bedeutung gewonnen. Tools wie Teams und die anfangs ungewohnte Nutzung von Kameras seien schnell in den betrieblichen Alltag integriert worden, berichtet Nicola Wittland stolz. Mitarbeitende seien über Newsletter und digitale Meetings über den Stand der Dinge informiert worden. Auch eine Hotline wurde eingerichtet. Die Kolleginnen und Kollegen hätten zudem in einer FAQ-Übersicht Antworten auf drängende Fragen erhalten. Zusätzlich wurde ein internes „Corona-Krisenportal“ aufgebaut, in dem alle zugänglichen Informationen bereitgestellt worden seien. Darüber hinaus wurden Führungskräfte durch kollegialen Austausch, digitale Lernplattformen und Coachings beim „Führen auf Distanz“ unterstützt. „Eine Führungskraft muss heute belastbar sein und in alle Ebenen hinein kommunizieren können“, weiß Nicola Wittland.

 

Corona als Lernfeld

Eine wichtige Erkenntnis aus den letzten 18 Monaten sei, dass Führungskräfte nicht omnipräsent sein könnten. „Ich kann nicht alles erkennen, ich kann nicht alles lösen, aber ich muss genau hinhören und auf jeden einzelnen eingehen“, bilanziert Nicola Wittland die Lerngewinne während der Pandemie. Zudem sei der Blick auf die Work-Life-Balance entscheidend, wenn es um Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeitenden gehe. Eine gezielte Information trage überdies zu einer engen Bindung bei. In der nächsten Zeit gehe es darum, die schrittweise Rückkehr der Mitarbeitenden aus dem Homeoffice zu organisieren, verrät Nicola Wittland. „Darauf freue ich mich.“

 

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