Mit der Digitalisierung verschwinden die Grenzen zwischen Verkauf und Marketing immer mehr. An Begriffen wie Klicks, Likes und Bounces kommt man heutzutage nicht mehr vorbei. Doch wie ist die Logistikbranche in der digitalen Transformation aufgestellt und welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich daraus?


Im mainblick-Sommerinterview KLARTEXT berichtet Pélagie Mepin-Koebel, Expertin für Logistik-Marken und Gründerin von Fashion Life Balance, von ihren Erfahrungen und Eindrücken, die sie in über 20 Jahren in der Logistikbranche gesammelt hat.


Die passionierte Logistikerin, wie sie sich selbst mit einem Schmunzeln nennt, definiert das Wort Transformation für sich als „Leben“, da alle Menschen im Wandel der Zeit ständig auf der Suche nach einem Gleichgewicht sind. „Es ist eine aktive, permanente Adaption. Transformation muss ich wollen, sonst geschieht es mit mir“, führt Pélagie Mepin-Koebel weiter aus und weist damit darauf hin, dass eine Transformation sowohl Chancen als auch Herausforderungen bei der Zukunftsgestaltung mit sich bringe. Um die sich vorgenommenen Ziele zu erreichen, müssen manche Logistikunternehmen ihrer Meinung nach allerdings noch selbstbewusster werden.

 

Digitale Transformation

Durch den Zusatz „digital“ habe sich die Geschwindigkeit vieler Prozesse verändert, erklärt Pélagie Mepin-Koebel. Bei einigen Branchen sei die digitale Transformation bereits voll im Gang. Unternehmen wie L’Oréal oder Domino Pizza haben schon sehr früh damit begonnen, auf „digital first“ zu setzen und seien sehr erfolgreich damit. Auch einige Unternehmen, deren Geschäftsmodelle auf Logistikprozessen basieren, haben den Nerv der Zeit getroffen. Mit Beispielen wie Hello Fresh oder Flaschenpost veranschaulicht Pélagie Mepin-Koebel, wie positiv diese Unternehmen öffentlich wahrgenommen werden. Logistikunternehmen müssen sich also nicht verstecken und können gerade auch wegen des Aspekts der Systemrelevanz noch selbstbewusster auftreten.

 

Eine Marke ist wie ein roter Faden

Das Konzept einer Marke ist für Pélagie Mepin-Koebel faszinierend, da es einerseits greifbar erscheine, andererseits auch ständig neue Facetten und Perspektiven aufweise, die man noch nicht kenne. Sie vergleicht eine Marke mit einem roten Faden, der sich durch alle Bereiche ziehe und stark mit Aspekten wie Vertrauen, Transparenz und Konsistenz verknüpft sei. Allerdings stellt sie ernüchternd fest, dass gerade der Wirtschaftsbereich Logistik – ein Sektor, der so viel zu bieten habe und sogar systemrelevant sei - sich mit dem Aufbau einer Marke zurückhalte. „Ohne Logistik ist kein Leben möglich“, macht sie deutlich, jedoch ergreifen viele Logistikunternehmen nicht die Initiative, denn „wenn ich selbst mich bewege und andere nicht, bin ich der Verlierer“, erklärt Pélagie Mepin-Koebel.

 

Marke ist Sache des ganzen Unternehmens

Trotz der guten Möglichkeiten, sich in der Logistik durch aktives Marketing strategisch positionieren zu können, sieht Pélagie Mepin-Koebel noch ein weiteres Problem: „Der Logistik fehlen die richtigen Leute.“ Dies sei sowohl quantitativ als auch qualitativ der Fall, denn eine Marke in einem Unternehmen zu etablieren erfordere die Mitarbeit des ganzen Unternehmens. Deswegen müsse ein „Marketeer“ einen klaren Kampfplan aufstellen, der nicht auf Geschmacksdiskussionen basiert, sondern auf messbaren Fakten, damit das ganze Unternehmen an einem Strang ziehen kann. „Marketing entsteht in der Interaktion mit Mitarbeitern“, schließt Pélagie Mepin-Koebel ab. Und da schließt sich der Kreis: Durch den Aufbau einer Marke können Logistiker ein neues Selbstbewusstsein schaffen.

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