Sprache: Machen wir Kommunikation nicht komplizierter als nötig

Verwaltungssprache klingt für alle außerhalb der Zielgruppe merkwürdig

Eigentlich hat es Reinhard Mey schon im Jahr 1977 auf den Punkt gebracht, als er seinen Hit „Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“ veröffentlichte: Behörden mögen es gerne kompliziert. Das ist aber nicht nur in ihren Prozessen der Fall – beispielsweise bei der „Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschriftexemplars“. Auch die Sprache der bürokratischen Mühlen weist einige Besonderheiten auf, bei denen selbst der versierteste Deutsch-Sprechende denkt, er versuche in China einen Weg zu erfragen. Ein Beispiel gefällig? Was verbirgt sich wohl hinter einer nicht lebenden Einfriedung? Warum sagt man nicht einfach Zaun? Aus aktuellem Anlass musste ich mich einfach mit diesem Thema beschäftigen.

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Viel Rap und nichts dahinter?

Voll baba: Rap ist angesagt und kommt auf den Punkt

Es ist gar nicht so lange her, da fristete der Rap in Deutschland noch ein Nischendasein. Heute stehen die Stücke von Rappern auf den Hitlisten der Musik-Streaming-Plattformen und Videoportalen ganz oben. Ihre nicht selten provokanten Texte, von künstlichen Beats eingängig getrieben und im wieselflinken Sprechgesang vorwiegend in deutscher Sprache vorgetragen, werden millionenfach abgerufen. Warum es sich für Kommunikatoren lohnt, sich näher mit der schroffen Asphalt-Poesie zu beschäftigen.

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Headlines from Hell: Alles aus einer Hand

Manchmal kann ich mich nicht entscheiden, was ich unterwegs essen soll. Habe ich eher Appetit auf eine deftige Pizza? Oder darf es ein vegetarischer Döner sein? Nein, alles zu langweilig. Vielleicht doch lieber indisches Kartoffel-Blumenkohl-Curry? Wie praktisch, dass es Restaurants gibt, die gleich mehrere kulinarische Spezialitäten unter einem Dach vereinen: Pizza wie aus Italien, Curry wie aus Indien, Burger wie aus Amerika und Pommes-Schranke wie aus Gelsenkirchen. Alles aus einer Hand – was will ich denn mehr?

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Vorbilder dringend gesucht

Sie wissen es längst: In den Sozialen Medien wird gehatet, gemobbt und gebashed, bis sich die Balken biegen. So rät der alternde Kicker Franck Ribéry seinen Kritikern via Twitter zum Geschlechtsverkehr mit ihren Müttern, Großmüttern oder Schwestern. Der amerikanische Präsident Donald Trump wettert nahezu täglich gegen alle möglichen Medienberichte – und vor allem gegen deren Verfasser! Und AfD-Frontfrau Alice Weidel zerrt auf Facebook regelmäßig die kriminellen Handlungen von „Personen nicht-deutscher Herkunft“ vor ihre populistische Flinte. Allen diesen öffentlichen Meinungsäußerungen ist eines gemein: Sie strotzen vor Respektlosigkeit gegenüber Andersdenkenden.

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Wortschätze: Comeback erwünscht!

Haderlump, kommod, Pardauz, Schlawiner, Larifari: Diese Wörter sind für mich als Schreiberling eine wahre Wonne. Und das, obwohl ich noch nicht einmal die 30er-Marke geknackt habe. Ich behaupte einmal, dass ich damit vielen Menschen meiner Generation einen Schritt voraus bin – und nicht nur denen. Das ist keine Schnurrpfeiferei! Für sie ist ein Hagestolz vermutlich eine Pflanze, deren Nüsse einen fürchterlichen Juckreiz auf der Haut verursachen. Und der Vatermörder prangt in der Vorstellung vieler mit Sicherheit auf dem Titelblatt irgendwelcher Boulevardzeitschriften und wird nicht für einen Kragen gehalten. Der Backfisch wird bei Nordsee feilgeboten und die Muhme vielleicht mit der Mumie verwechselt. Will man die Sprachbanausen dann zur Räson rufen, schauen sie nur verdattert drein. Was soll man bloß tun?

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Headlines from Hell: Tradition & Innovation

Wer das Monster von Loch Ness, Atlantis und Bielefeld in einem Atemzug nennt, den kann man leicht als Verschwörungstheoretiker abtun. Sind ja ohnehin alles Spinnereien – habe ich auch lange gedacht. Doch dann habe ich das neueste Imagevideo der Stadt Bielefeld gesehen und dachte mir: Vielleicht ist zumindest an dieser Bielefeld-Verschwörung mehr dran, als ich wahrhaben will. Nehmen wir an, die Stadt gäbe es wirklich und sie wäre nicht ein ausgedachtes Konstrukt. Würde sie sich dann selbst mit einer der wohl austauschbarsten Headlines aller Zeiten in einem nichtssagenden Video schmücken: Innovation trifft Tradition? Ich glaube kaum. Eine Überschrift wie eine Nebelgranate, verschleiernd und zum Wegrennen.

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