Viel Rap und nichts dahinter?

Voll baba: Rap ist angesagt und kommt auf den Punkt

Es ist gar nicht so lange her, da fristete der Rap in Deutschland noch ein Nischendasein. Heute stehen die Stücke von Rappern auf den Hitlisten der Musik-Streaming-Plattformen und Videoportalen ganz oben. Ihre nicht selten provokanten Texte, von künstlichen Beats eingängig getrieben und im wieselflinken Sprechgesang vorwiegend in deutscher Sprache vorgetragen, werden millionenfach abgerufen. Warum es sich für Kommunikatoren lohnt, sich näher mit der schroffen Asphalt-Poesie zu beschäftigen.

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Content: Vom Buzzword zum Unwort

Alle reden nur noch von Content. Das Web wird verstopft damit, es entstehen Plattformen drumherum, Redakteure werden auf den Begriff eingeschworen – jeden Tag erwarte ich eigentlich, irgendwo in Frankfurt die erste große Contentfabrik zu sehen. Stilecht mit Ziegeltürmen, aus denen dann täglich große, weiße Rauchschwaden aufsteigen. Und abends verlassen müde Menschen mit rußgeschwärzten Gesichtern das Gebäude und treten ihren Heimweg von der Maloche an. Ich mag es nicht mehr hören, denn es verstellt den Blick darauf, was wir eigentlich brauchen.

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Worthülsenfrüchte: Die doppelte Endlichkeit

Worthülsenfrucht: Letztendlich

Alles hat bekanntermaßen ein Ende – bis auf die Wurst, wie wir seit Stephan Remmler wissen. Doch aller popkulturellen Hinweise zum Trotz hält sich die doppelte Endlichkeit hartnäckig: Letztendlich nicht nur in Reden, wo man sie als Stilmittel vielleicht noch augenrollend dulden mag, sondern auch in der sonstigen Kommunikation. Und da war es schon – haben Sie es bemerkt? Man liest ja so schnell darüber hinweg, weil es sich so in unserem Sprachverständnis festgesetzt hat, dass wir nicht einmal mehr die Stirn runzeln, wenn wir es lesen. Darum hier nochmal in Zeitlupe: letztendlich.

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Immer diese Rechtgeberei

Er gehörte zu den meistgesagten Sätzen des ehemaligen Bayer-Leverkusen-Trainers Heiko Herrlich während einer bemerkenswerten Pressekonferenz: „Ich gebe Ihnen Recht“, sagte er immer wieder zu den Journalisten. Das wirkt auf den ersten Blick demütig – aber ist es das wirklich? Ich finde nicht. Es ist eine beliebte Einleitungsfloskel geworden, um kritische Anmerkungen aufzunehmen und ihnen im nächsten Schritt eigene Argumente gegenüberzustellen. Ein bisschen Deeskalation im Sinne von Rosenberg, so scheint es. Aber eigentlich heißt es etwas ganz anderes. Wir nehmen es uns heraus, Recht zu geben. Unser Gegenüber hat nicht aufgrund der besseren Argumente Recht, sondern erhält es von unseren Gnaden.

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Viel zu lösungsfixiert

Eine Lösung kann fest, gasförmig oder flüssig sein, habe ich im Chemieunterricht gelernt. In der Kommunikation hat sie nur einen Aggregarzustand: überflüssig. Zumindest in Verbindung mit geschmeidigen Kreationen wie „Software-Lösung“, wenn eigentlich ein Programm gemeint ist. Oder die „Branchen-Lösung“, die eigentlich eine Standardsoftware meint. Und nicht zu vergessen die allseits beliebten „Lösungs-Anbieter“, die allerdings nicht Hersteller von Reinigungsmitteln meinen.

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Hier warb Goethe nie

Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Wohnungsbesichtigung zu Anfang des Jahres hier in Frankfurt, bei der die Vormieter die klaustrophobisch kleine Toilette mit einem Goethe-Zitat als Wandtattoo aufwerteten. „Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert“, mahnten mich die Letter. Was mir das in diesem Zusammenhang sagen sollte, weiß ich nicht. Verharren wollte ich dort jedenfalls nicht länger als nötig. Gut, mögen Sie einwenden, wen interessiert schon, was in einer Privatwohnung an irgendwelchen Wänden steht? Stimmt natürlich. Aber der gute Herr Geheimrat muss leider nicht nur für stille Örtchen herhalten, sondern wird gerne auch vor den Karren der Kommunkation gespannt. Und ich bin mir nicht ganz sicher, was von beidem nun schlimmer ist.

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Sehr ansprechend: Medienvertreter

Wir sind nicht nur vor dem Gesetz alle gleich, sondern auch vor einer anderen großen Instanz unserer Zeit: der Massenmail. Sie funktioniert völlig diskriminierungsfrei, denn ganz gleich wer Sie sind – solange Sie etwas mit Medien zu tun haben, sind Sie vor allem ein Medienvertreter. Und als solcher ein wichtiger Teil des filigranen Uhrwerks unseres Informationszeitalters. Da ist es nur logisch, Sie auch als solchen zu begrüßen.

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