Micro-Story: Wir haben doch keine Zeit

Micro-Storytelling - weil wir alle keine Zeit mehr haben

Wie kurz kann eine Geschichte eigentlich sein, damit sie noch funktioniert? Kann ein Tweet eine Story erzählen? Oder ein Instagram-Post? Ja, das geht. Und zwar nicht nur in den Sozialen Medien. Das beweist unter anderem die renommierte New York Times auf ihrer Website mit den „Tiny Love Stories“. Im Kern orientiert sich jede Micro-Story an einem prägnanten Zitat von Ernest Hemingway:

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Content: Vom Buzzword zum Unwort

Alle reden nur noch von Content. Das Web wird verstopft damit, es entstehen Plattformen drumherum, Redakteure werden auf den Begriff eingeschworen – jeden Tag erwarte ich eigentlich, irgendwo in Frankfurt die erste große Contentfabrik zu sehen. Stilecht mit Ziegeltürmen, aus denen dann täglich große, weiße Rauchschwaden aufsteigen. Und abends verlassen müde Menschen mit rußgeschwärzten Gesichtern das Gebäude und treten ihren Heimweg von der Maloche an. Ich mag es nicht mehr hören, denn es verstellt den Blick darauf, was wir eigentlich brauchen.

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Fake-News sind kein PR-Gag

Da haben selbst wir Kommunikationsprofis ein wenig fassungslos vor unseren Bildschirmen gesessen: Vor einem Monat gab Citroën zum 100-jährigen Firmenjubiläum bekannt, sich in Deutschland in Zitrön umzubenennen. Den alten Namen könne ja ohnehin niemand aussprechen. Sicher, die Vermutung, dass alles nur ein groß angelegter Marketing-Gag war, hatten wir. Fake-News? Antworten wir mit einem entschiedenen “Vielleicht.” Nur haben wir nicht schlecht gestaunt, wie weit der Autobauer den Witz getrieben hat: Website umbenannt, Kundenhotline geändert, Filmchen gedreht, Luftballons in der Firmenzentrale aufgehangen … das war schon recht ausgeklügelt. „Das meinen die doch nicht ernst – oder?“, fragten wir uns. So ein Scherz wäre ja eigentlich nur ein Fall für den 1. April.

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Viel zu lösungsfixiert

Eine Lösung kann fest, gasförmig oder flüssig sein, habe ich im Chemieunterricht gelernt. In der Kommunikation hat sie nur einen Aggregarzustand: überflüssig. Zumindest in Verbindung mit geschmeidigen Kreationen wie „Software-Lösung“, wenn eigentlich ein Programm gemeint ist. Oder die „Branchen-Lösung“, die eigentlich eine Standardsoftware meint. Und nicht zu vergessen die allseits beliebten „Lösungs-Anbieter“, die allerdings nicht Hersteller von Reinigungsmitteln meinen.

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Headlines from Hell: Alles aus einer Hand

Manchmal kann ich mich nicht entscheiden, was ich unterwegs essen soll. Habe ich eher Appetit auf eine deftige Pizza? Oder darf es ein vegetarischer Döner sein? Nein, alles zu langweilig. Vielleicht doch lieber indisches Kartoffel-Blumenkohl-Curry? Wie praktisch, dass es Restaurants gibt, die gleich mehrere kulinarische Spezialitäten unter einem Dach vereinen: Pizza wie aus Italien, Curry wie aus Indien, Burger wie aus Amerika und Pommes-Schranke wie aus Gelsenkirchen. Alles aus einer Hand – was will ich denn mehr?

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Hier warb Goethe nie

Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Wohnungsbesichtigung zu Anfang des Jahres hier in Frankfurt, bei der die Vormieter die klaustrophobisch kleine Toilette mit einem Goethe-Zitat als Wandtattoo aufwerteten. „Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert“, mahnten mich die Letter. Was mir das in diesem Zusammenhang sagen sollte, weiß ich nicht. Verharren wollte ich dort jedenfalls nicht länger als nötig. Gut, mögen Sie einwenden, wen interessiert schon, was in einer Privatwohnung an irgendwelchen Wänden steht? Stimmt natürlich. Aber der gute Herr Geheimrat muss leider nicht nur für stille Örtchen herhalten, sondern wird gerne auch vor den Karren der Kommunkation gespannt. Und ich bin mir nicht ganz sicher, was von beidem nun schlimmer ist.

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Immer an den Druckausgleich denken

Ich bin kein klassischer Print-Leser. Unterwegs oder im Urlaub habe ich lieber meinen kompakten Kindle dabei als mehrere Folianten mitzuschleppen. Und wenn ich daheim nicht Online-Nachrichtenmagazine konsumiere, höre ich eben Podcasts oder gelegentlich Hörbücher. Nun könnte man denken, dass Gedrucktes für mich tot ist – ganz so einfach ist es aber nicht.

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