Micro-Story: Wir haben doch keine Zeit

Micro-Storytelling - weil wir alle keine Zeit mehr haben

Wie kurz kann eine Geschichte eigentlich sein, damit sie noch funktioniert? Kann ein Tweet eine Story erzählen? Oder ein Instagram-Post? Ja, das geht. Und zwar nicht nur in den Sozialen Medien. Das beweist unter anderem die renommierte New York Times auf ihrer Website mit den „Tiny Love Stories“. Im Kern orientiert sich jede Micro-Story an einem prägnanten Zitat von Ernest Hemingway:

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Content: Vom Buzzword zum Unwort

Alle reden nur noch von Content. Das Web wird verstopft damit, es entstehen Plattformen drumherum, Redakteure werden auf den Begriff eingeschworen – jeden Tag erwarte ich eigentlich, irgendwo in Frankfurt die erste große Contentfabrik zu sehen. Stilecht mit Ziegeltürmen, aus denen dann täglich große, weiße Rauchschwaden aufsteigen. Und abends verlassen müde Menschen mit rußgeschwärzten Gesichtern das Gebäude und treten ihren Heimweg von der Maloche an. Ich mag es nicht mehr hören, denn es verstellt den Blick darauf, was wir eigentlich brauchen.

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Viel zu lösungsfixiert

Eine Lösung kann fest, gasförmig oder flüssig sein, habe ich im Chemieunterricht gelernt. In der Kommunikation hat sie nur einen Aggregarzustand: überflüssig. Zumindest in Verbindung mit geschmeidigen Kreationen wie „Software-Lösung“, wenn eigentlich ein Programm gemeint ist. Oder die „Branchen-Lösung“, die eigentlich eine Standardsoftware meint. Und nicht zu vergessen die allseits beliebten „Lösungs-Anbieter“, die allerdings nicht Hersteller von Reinigungsmitteln meinen.

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Headlines from Hell: Alles aus einer Hand

Manchmal kann ich mich nicht entscheiden, was ich unterwegs essen soll. Habe ich eher Appetit auf eine deftige Pizza? Oder darf es ein vegetarischer Döner sein? Nein, alles zu langweilig. Vielleicht doch lieber indisches Kartoffel-Blumenkohl-Curry? Wie praktisch, dass es Restaurants gibt, die gleich mehrere kulinarische Spezialitäten unter einem Dach vereinen: Pizza wie aus Italien, Curry wie aus Indien, Burger wie aus Amerika und Pommes-Schranke wie aus Gelsenkirchen. Alles aus einer Hand – was will ich denn mehr?

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Überblättert: Das ungeliebte Vorwort

Spieglein, Spieglein in der Hand: Neulich blätterte ich beim Warten in der Autowerkstatt durch das Nachrichtenmagazin mit dem einschlägigen roten Rahmen auf dem Cover. Hätte ich mich nicht just ein paar Tage zuvor mit einem Kollegen über eine gewisse althergebrachte Tradition in Magazinen unterhalten, wäre es mir gar nicht aufgefallen. „Aus den Augen, aus dem Sinn“, heißt es ja so schön. Aber diesmal nicht. Diesmal sah ich bewusst hin und habe es nicht bloß übersehen: Es gibt kein klassisches Vorwort des Herausgebers oder Chefredakteurs im Spiegel. Stattdessen begleiten mich Inhaltsverzeichnis, Leitartikel und Kolumne durch die ersten Seiten. Dass mir das fehlende Vorwort so lange nicht aufgefallen ist, liegt vor allem daran, dass ich diesen Teil in Magazinen grundsätzlich überblättere.

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Headlines from Hell: Tradition & Innovation

Wer das Monster von Loch Ness, Atlantis und Bielefeld in einem Atemzug nennt, den kann man leicht als Verschwörungstheoretiker abtun. Sind ja ohnehin alles Spinnereien – habe ich auch lange gedacht. Doch dann habe ich das neueste Imagevideo der Stadt Bielefeld gesehen und dachte mir: Vielleicht ist zumindest an dieser Bielefeld-Verschwörung mehr dran, als ich wahrhaben will. Nehmen wir an, die Stadt gäbe es wirklich und sie wäre nicht ein ausgedachtes Konstrukt. Würde sie sich dann selbst mit einer der wohl austauschbarsten Headlines aller Zeiten in einem nichtssagenden Video schmücken: Innovation trifft Tradition? Ich glaube kaum. Eine Überschrift wie eine Nebelgranate, verschleiernd und zum Wegrennen.

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