Digitale Vertrauenskrise: Was uns von Trump und Rezo unterscheidet

Soziale Medien als Sprachrohr

Mal ehrlich: Was gibt einem 27-jährigen Einpeitscher mit blau gefärbtem Irokesenschnitt und rosa Hoodie das Recht, die gesamte deutsche Medienlandschaft pauschal in den Senkel zu stellen? Klar: Die durch das Grundgesetz abgesicherte Meinungsfreiheit. Und wie ist es möglich, dass ein 74-jähriger nationalistischer Schreihals im Laufe seiner Amtszeit mehr als 16.000 falsche oder mindestens fragwürdige Aussagen in die Welt setzen kann? Ganz einfach: Die fehlenden rechtlichen Rahmenbedingungen für ein derartiges Vorgehen sowie ein fehlender globaler moralischer Konsens zu der Frage, wann die Grenze des Ertragbaren überschritten ist und wie bzw. durch wen Übertritte sanktioniert werden. Ergo: Wir erleben eine digitale Vertrauenskrise.

Gigantische Reichweiten für jedwede Botschaft

Sowohl der der Youtube-Influencer mit dem Künstlernamen „Rezo“ als auch der US-amerikanische Präsident Donald Trump verfügen über die Fähigkeit, die Gesetzmäßigkeiten sozialer Medien geschickt für ihre politischen oder publizistischen Ziele zu nutzen und damit gigantische Reichweiten zu erzielen. Sie verfahren virtuos nach der althergebrachten Branchen-Weisheit „any promo ist good promo.“ Und sie freuen sich darüber, dass die überwiegende Zahl ihrer Follower nicht öffentlich aufbegehrt. Und wenn doch, perlt die Kritik an ihnen ab – und weiter geht’s zum nächsten Tweet oder Blogbeitrag. Zur Einordnung: Dem Twitter-Account von Donald Trump folgen rund um den Globus aktuell 82.331.614 Menschen (Stand 20. Juni 2020), „Rezo“ hat derzeit 1,39 Millionen Abonnenten, sein Video „Die Zerstörung der Presse“ wurde bislang über drei Millionen Mal aufgerufen.

Diese gigantischen Zahlen untermauern übrigens eine These, die mein geschätzter Kollege Steffen Ball – vormals Blattmacher bei der BILD, heute Chef der PR-Agentur BALL:COM – überzeugend vertritt: „Früher gab es Massenmedien, heute gibt es Medienmassen.“ Damit triffst Du den Nagel dermaßen auf den Kopf, lieber Steffen!

Glaubwürdigkeit sinkt, Vertrauen bröckelt: digitale Vertrauenskrise

Zurück zum Kern diese Blogposts: Auch wenn der Kurznachrichtendienst Twitter zwischendurch einige Tweets des US-Präsidenten mit Warnhinweisen gekennzeichnet hat. Und auch wenn das soziale Netzwerk Facebook eine als menschenverachtend klassifizierte Anzeige seines Wahlkampfteams gelöscht hat: Die Glaubwürdigkeit sozialer Medien als seriöse Informationsquelle nimmt rapide ab. Zwar belegt der aktuelle „Digital News Report“ des Reuters Institute, dass immer mehr junge Menschen Facebook, Twitter und Co. als Informationsquelle nutzen. Doch jeder Zweite vertraut diesen Nachrichten nicht! Ein frappierender Zwiespalt. Vor allem die Angst vor Fake-News untergrabe das Vertrauen, berichtet das Marketing-Medium HORIZONT. So hätten 37 Prozent bedenken, „Falschmeldungen nicht als solche zu erkennen.“ Ehrlich gesagt gehöre auch ich zu diesen 37 Prozent.

Digitales Ökosystem braucht Pflege

Und was diese bedenkliche Gemengelage mit mainblick, unserem Weltbild und unseren Kunden zu tun? Bitte anschnallen, jetzt kommt ein kurzer Werbeblock: Als leidenschaftliche Kommunikatoren produzieren wir jeden Tag Content, den wir in alle denkbaren analogen und digitalen Kanäle spülen. Damit erreichen wir die Dialoggruppen unserer Kunden zuverlässig und nachhaltig. Als Bühnen für die Inszenierung relevanter Inhalte und spannender Geschichten nutzen wir dabei selbstverständlich auch sämtliche sozialen Medien und Videoportale. Sie gehören – zusammen mit der Homepage, den Landingpages für Produkte oder Geschäftsbereiche sowie Corporate-Blogs – zum digitalen Ökosystem, das gehegt und gepflegt werden will. Der Dünger besteht aus einer Mischung aus Glaubwürdigkeit und Authentizität. Das schafft Vertrauen, Bindung und ermöglicht einen wertschätzenden Dialog auf Augenhöhe. Das ist es, woran wir glauben und wofür wir als Team stehen wollen!

Von Werten leiten lassen

All das das klingt nach guten Absichten und einem festen Wertekompass. Wir sind davon überzeugt, das Richtige zu tun, wenn wir auf XING, LinkedIn, Twitter, Facebook, Instagram, Youtube und Vimeo interessante Themen und gut recherchierte Inhalte verbreiten, von deren Nutzen, Relevanz und Qualität wir überzeugt sind. Aber natürlich wollen und müssen wir auch (strategische) Ziele für unsere Kunden erreichen, Botschaften senden, Informationen vermitteln, Meinungsbilder positiv beeinflussen und idealerweise Kaufentscheidungen herbeiführen.

(Nicht) besser als Trump und Rezo?!

Mit diesen Ansprüchen unterscheiden wir uns auf den ersten Blick kaum von eloquenten Influencern und polternden Follower-Millionären. Schließlich will jeder in seinem Job maximale Reichweitenerfolge verbuchen, sichtbar sein, gehört und anerkannt werden! Auf den zweiten Blick wird der Unterschied deutlich: Wir dienen nicht uns selbst, sondern denjenigen, für die wir kommunizieren dürfen. Daraus erwächst – erstens – eine große Verantwortung, mit der wir professionell und sorgsam umgehen müssen. Zweitens sind wir unseren Werten, unserem Code of Conduct verpflichtet. Und hier belegen Respekt und Vertrauen nun mal absolute Spitzenplätze. Das bedeutet: Wir werten andere nicht ab, um selbst besser dazustehen. Wir verbreiten keine Lügen, um von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Und wir sehen uns nicht als Mittelpunkt des Kosmos, dem alle Aufmerksamkeit gebührt.

Dank unserer Positionierung als Kommunikationsagentur stehen wir damit automatisch immer irgendwie in der Mitte zwischen unseren Kunden und ihren Anspruchsgruppen, aber niemals zwischen den Stühlen. Wir nehmen unterschiedliche Perspektiven ein und richten unseren Blick in alle denkbaren Richtungen – und nicht nur auf möglichst viele Likes und freundliche Kommentare für den nächsten Tweet oder Post.

Über den Autor

Uwe Berndt

Der ausgebildete Organsiationsentwickler ist seit über 16 Jahren der Kapitän des Mainblick-Schiffes. Er sieht Unternehmenskultur und Werte als Basis einer nachhaltigen B2B-Kommunikation an. Sein besonderes Interesse gilt der Kommunikation im Wandel. Privat trifft man den gebürtigen Frankfurter regelmäßig in der Fankurve des Eintracht-Stadions.