Fünf Thesen zur Unternehmenskultur

Unternehmenskultur ist ein Marathon

Ja, auch ich berufe mich heute auf Helmut Schmidt. Und zwar aus tiefster Überzeugung. „In der Krise zeigt sich der (wahre) Charakter“, war der große Staatsmann überzeugt. Zurzeit erleben wird quasi einen globalen Charakter-Contest. Der schwappt quasi in unser Berufs- und Privatleben hinein und kommt uns dabei sehr nahe, berührt unsere Werte und Überzeugungen, reibt sich an unserer Haltung. Nach meinem Verständnis hat Haltung im professionellen Kontext viel mit unserem Verständnis von Kultur zu tun. Und schon sind wir bei einem meiner Lieblingsthemen aus dem Bereich Organisationswicklung gelandet: der Unternehmenskultur.

Kultur als strategisches Handlungsfeld?

Die Veränderungs- und Anpassungsfähigkeit von Unternehmen wird maßgeblich von deren Kultur beeinflusst – auch und gerade in Zeiten wie diesen. Meine Empfehlung: Erklären Sie das Thema Unternehmenskulturentwicklung zum strategischen Handlungsfeld und befassen Sie sich nicht nur mit Strukturen und Prozessen. Unternehmen entwickeln sich nämlich im Zusammenspiel der Dimensionen Struktur, Strategie und Kultur! Warum das so ist, erkläre ich Ihnen weiter unten.

Kulturarbeit ist ein Marathon, kein Sprint!

Die Arbeit mit und an der Unternehmenskultur ist vielseitig, inspirierend und anstrengend gleichermaßen. Wer sich darauf einlässt, braucht einen langen Atem. Kultur kann nicht verordnet oder aufoktroyiert werden. Sie entsteht auf Grundlage von gelebten Werten und geteilten Überzeugungen. Hält gesund oder macht schlechte Laune, fördert den unternehmerischen Erfolg oder vergrault Mitarbeiter und Kunden. Sie zieht kluge Köpfe an oder löst einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken aus. Auf den Punkt gebracht: Unternehmenskultur ist allgegenwärtig und ungemein wirkmächtig.

1. „Culture eats strategy vor breakfast“

Dieses Zitat des US-Ökonomen Peter Ferdinand Drucker bringt es wunderbar auf den Punkt: Die Strategie eines Unternehmens ist nichts wert, wenn sie nicht von der Kultur der Organisation antizipiert, getragen, aufgeladen und permanent weiterentwickelt wird. Wer über Strategie nachdenkt, muss Kultur mit einbeziehen.

2. Kultur wird unterschätzt

In Unternehmen aus Transport und Logistik stehen Themen wie Produkte, Strategien, Ziele, Prozesse und Strukturen traditionell ganz oben auf der Agenda des Managements. Kultur spielt meist eine untergeordnete Rolle und wird häufig sogar belächelt. Ein Fehler, der sich beispielsweise durch unzufriedene Mitarbeiter, hohe Fluktuation oder mäkelnde Kunden rächt.

3. Kulturarbeit ist Pflicht, nicht Kür!

Fragt man Mitarbeiter, was sie brauchen, um gerne zur Arbeit zu kommen und zufrieden nach Hause zu gehen, fallen die Antworten zunehmend ähnlich aus: Sie wünschen sich Wertschätzung und Anerkennung. Außerdem stehen ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen sowie eine transparente Kommunikation ganz oben auf der Liste der Anforderungen. Wer Mitarbeiter langfristig entwickeln und binden will, muss Kulturarbeit deshalb zur Pflicht erheben.

4. Einklang statt Dreisprung

Der Erfolg, die Reputation und die Performance eines Unternehmens machen sich am Zusammenspiel von Strategie, Struktur und Kultur fest. Kein Bereich kommt ohne die beiden anderen Handlungsfelder aus. Kurz: Drehe ich nur an einer Schraube, verändert sich die Statik des gesamten Unternehmens und die Balance steht auf dem Spiel. Daher besteht die Aufgabe darin, Strategie, Struktur und Kultur in Einklang zu bringen.

5. Kulturarbeit braucht Ausdauer

Nachhaltige Kulturarbeit gleicht einem lebenslangen Marathonlauf. Achtung: Wer sich einmal auf die 42,195-Kilometer-Strecke gemacht hat, denkt zwischendrin unwillkürlich ans Aufgeben! Ausdauer, Geduld und eine gute Einteilung der Ressourcen sind deshalb hilfreiche Tugenden, wenn es um die Entwicklung einer stimmigen Unternehmenskultur geht.

Wenn Sie jetzt Feuer gefangen und den „Kulturarbeiter“ in sich entdeckt haben, legen Sie am besten gleich los: Gründen Sie einen Kultur-Campus in Ihrem Unternehmen und beteiligen Sie diejenigen daran, die Lust darauf haben. Beweisen Sie Mut zu Veränderungen und gestalten Sie das Neue. Es lohnt sich.

Über den Autor

Uwe Berndt

Der ausgebildete Organsiationsentwickler ist seit über 16 Jahren der Kapitän des Mainblick-Schiffes. Er sieht Unternehmenskultur und Werte als Basis einer nachhaltigen B2B-Kommunikation an. Sein besonderes Interesse gilt der Kommunikation im Wandel. Privat trifft man den gebürtigen Frankfurter regelmäßig in der Fankurve des Eintracht-Stadions.