Was Unternehmen von Captain Jean-Luc Picard lernen können

"Engage!" (c) CBS

Make it so” und „Engage!” gehören zu den bekanntesten Zitaten dieses Tee-Connaisseurs: Jean-Luc Picard, Captain des Raumschiffs Enterprise aus Star Trek – The Next Generation. Die Figur hat sich weit über die unendlichen Weiten der TV-Serie hinaus einen Namen gemacht. Wenn Schauspieler Patrick Steward Ende Januar 2020 nach fast 18 Jahren Abstinenz erneut in seine alte Rolle schlüpft, ist das schon etwas Besonderes in der Serienwelt. Grund genug einmal zu beleuchten, was Unternehmen heute von einem fiktiven Captain der Sternenflotte aus der Zukunft lernen können.

1. Stärken kennen und Schwächen akzeptieren

Die Crew der Enterprise 1701-D ist äußerst kompetent. Kein Wunder: In der von Serienschöpfer Gene Roddenberry entworfenen Zukunft konzentrieren sich die Menschen vor allem auf die Entfaltung ihrer individuellen Potenziale und die Erweiterung ihres geistigen Horizonts. Gleichzeitig sind sie durch bestimmte Schwächen gekennzeichnet. Sie erden die Charaktere soweit, dass wir Zuschauer einen Bezug zu ihnen herstellen können. So zum Beispiel der brillante Ingenieur Reginald Barclay, der sich in virtuellen Welten eine eigene Realität erschafft. In der Gesellschaft von echten Menschen fühlt er sich stark verunsichert. Als sein anfänglicher Spleen zur Sucht wird, wird er nicht etwa entlassen. Vielmehr ermutigen ihn Captain Picard und sein Team zu einer arbeitsbegleitenden Therapie, die ihm tatsächlich hilft. Ein gut aufeinander abgestimmtes Team trägt und unterstützt sich stets gegenseitig, weiß um die kleinen und großen Schwächen der Kollegen und hat gelernt, damit umzugehen. Grüppchenbildung und Schubladendenken führen – in der Fiktion wie in der Realität – nirgendwohin.

2. Führung ist Vertrauenssache

Jean-Luc Picard hat absolutes Vertrauen in die Fähigkeiten seiner Crew und stellt sich als Vorgesetzter bei Auseinandersetzungen oder Fehlern stets vor sein Team. Und weil er um die Kompetenz seiner Mannschaft weiß, fällt er wichtige Entscheidungen nicht im Alleingang. Stattdessen tauscht er in Besprechungen Argumente mit seinen Kollegen aus, erteilt keine Denkverbote, wägt Risiken ab und wählt auf dieser Basis den besten Weg im Sinne aller Beteiligten unter seiner Verantwortung. Er weiß, dass er ein Teil des großen Ganzen ist, aber nimmt sich nicht wichtiger als seine Kollegen. Führen bedeutet für ihn nicht, sich im Micromanagement zu verlieren, sondern Ziele vorzugeben und mit bestem Beispiel voran zu gehen. Damit inspiriert und motiviert er sein Team und fördert gegenseitiges Vertrauen.

3. Diversity ist eine Bereicherung

Captain Picard ist vielseitig interessiert und aufgeschlossen gegenüber allem Neuen. An Bord der Enterprise arbeiten Menschen jeden Alters (von Wesley Crusher bis Guinan), aus zahlreichen verschiedenen Kulturkreisen (Klingonen, Betazoiden und ein Android) oder auch mit Handicap (Geordi La Forge) hervorragend zusammen. Die Gleichstellung der Geschlechter ist ohnehin selbstverständlich. Die unterschiedlichen kulturellen Bräuche und Sitten werden vom Captain respektiert und er interessiert sich ehrlich für deren Herkunft und Bedeutung. Auch dies ist der zutiefst humanistischen Überzeugung des Serienschöpfers Gene Roddenberry zu verdanken. In der Realität zeigt sich, dass wir noch einen langen Weg zu beschreiten haben, bis Diversität in Unternehmen und in der Gesellschaft eine annähernd vergleichbare Selbstverständlichkeit sein werden. Umso wichtiger, sich von der Zukunft inspirieren zu lassen.

4. Sinnstiftende Arbeit schafft Zufriedenheit

Ziel des Einzelnen im Star-Trek-Universum ist die Entfaltung seiner Potenziale und die Erweiterung seines geistigen Horizonts. Darum bringt jeder viel Leidenschaft und Kompetenz in seiner Arbeit ein. Denn sie lässt einen Sinn erkennen, im kleinen wie im großen Maßstab. Routineaufgaben übernehmen technische Hilfsmittel, vom mobilen Tricorder bis zum Bordcomputer. Nun werden die wenigsten Angestellten unserer Zeit die Freiheit haben, sich auf Selbstverwirklichung zu konzentrieren. Aber die Vermittlung von Sinn und Zweck einer Tätigkeit ist nichtsdestotrotz ungemein wichtig, um sie zu motivieren und ihre Leidenschaft zu entfachen. Lob und Anerkennung sind ebenfalls ein zentraler Teil dieser Gleichung.

5. Gegenseitiger Respekt ist wichtig

Alle Crewmitglieder der Enterprise begegnen sich mit gegenseitigem Respekt und Wohlwollen. Probleme werden offen angesprochen, Kollegen mit Schwierigkeiten unterstützt. Nicht nur auf der dienstlichen Ebene, sondern auch im Privaten – ganz im Sinne der humanistischen Charta, der die Föderation in der Kult-Serie folgt. Jean-Luc Picard geht auch hier mit gutem Beispiel voran. Er schafft so ein äußerst positives Betriebsklima, das Respekt nicht in erster Linie als Belohnung für gute Leistung versteht, sondern als grundsätzliches Gut, das jedem Kollegen – vom Fähnrich bis zum Admiral – zusteht. Wie wichtig dieses Verständnis für Unternehmen ist und dass es sich dabei keineswegs um eine Selbstverständlichkeit handelt, zeigen Untersuchungen immer wieder.


Übrigens: Die charmanten Tweets stammen von @PicardTips. Wer die Melodie aus der Folge Inner Light mitsummen kann und weiß, dass da nur vier Lichter waren, wird ebenso seine Freude an dem Twitter-Profil haben wie Star-Trek-Neulinge. Ein Blick lohnt sich in jedem Fall.

Beitragsbild: (c) Columbia Broadcasting System (CBS).

Über den Autor

Boris Kretzinger

Der Exil-Eifler steuert als Leiter Corporate Media Kundenmedien bei Mainblick, ob gedruckt oder online. Er vertieft sich ebenso gerne in bunte Regionalthemen wie in die anspruchsvolle Recherche zu einem technischen Thema. Privat streift der Historiker gerne auf Schusters Rappen durch die Natur oder greift zum Joystick, um auf seinen 8-Bit-Heimcomputern und Konsolen zu spielen.