Headlines from Hell: Alles aus einer Hand

Manchmal kann ich mich nicht entscheiden, was ich unterwegs essen soll. Habe ich eher Appetit auf eine deftige Pizza? Oder darf es ein vegetarischer Döner sein? Nein, alles zu langweilig. Vielleicht doch lieber indisches Kartoffel-Blumenkohl-Curry? Wie praktisch, dass es Restaurants gibt, die gleich mehrere kulinarische Spezialitäten unter einem Dach vereinen: Pizza wie aus Italien, Curry wie aus Indien, Burger wie aus Amerika und Pommes-Schranke wie aus Gelsenkirchen. Alles aus einer Hand – was will ich denn mehr?

Nun, ich will vor allem, dass die geweckten Erwartungen auch erfüllt werden. Und meine bisherige Erfahrung mit solchen Restaurants war dahingehend etwas durchwachsen. Die Pizza verströmte eher Tiefkühlaroma als mediterranes Flair, das Curry war eher fad oder die halbgaren Pommes unter einem bauschaumartigen, rot-weißen Topping begraben. Meist gab es zumindest ein Gericht, das in Ordnung war – dafür waren die übrigen umso schwächer. Was nützt mir aber das Alles-aus-einer-Hand-Prinzip, wenn nicht auch alles gleich gut ist?

Eine beliebte Falle, in die auch zahlreiche Unternehmen in ihrer Kommunikation tappen. Aus Firmensicht verstehe ich die Formel sofort: Hier gibt es etwas für jeden Bedarf! Bloß keinen potenziellen Kunden verlieren, weil er nicht gleich in einem Satz abgeholt werden kann oder – noch schlimmer – vielleicht auch einfach nicht zur Zielgruppe gehört. Das Ergebnis ist allerdings eine austauschbare Überschrift, die nichtssagend „alles aus einer Hand“ verspricht. Über die Qualität des Angebots weiß ich als Kunde damit nichts – ich habe höchstens eine Vermutung. Und das ist nicht unbedingt eine gute. Wenn ich nach dieser Wortfolge auf Google suche, finde ich rund neun Millionen Treffer. Von A wie Anzugschneider über H wie Hausmeisterservice bis Z wie Zahnästhetik ist jede nur denkbare Branche mit mehreren Unternehmen unter diesem Slogan vertreten.

Man könnte stattdessen auch einfach sagen, was eigentlich gemeint ist: „Wir machen alles.“ Schon klingt es weniger nebulös. Und plötzlich schwingt ganz deutlich mit, wie unwahrscheinlich es ist, dass damit für den Kunden auch alles gut wird. Denn wer kann schon alles? Warum nicht stattdessen lieber hervorheben, was das Unternehmen wirklich gut kann? Trauen Sie sich, diejenigen außen vor zu lassen, die gerne Erbsensuppe mit Würstchen in einem Thai-Restaurant bestellen würden. Das kann nichts werden. Konzentrieren Sie sich lieber auf Ihre Kernkompetenz – und wenn die schon aus einer Hand kommt, dann sollte sie jedenfalls mit einem Fingerzeig benannt werden können.

Über den Autor

Boris Kretzinger

Der Exil-Eifler steuert als Leiter Corporate Media Kundenmedien bei Mainblick, ob gedruckt oder online. Er vertieft sich ebenso gerne in bunte Regionalthemen wie in die anspruchsvolle Recherche zu einem technischen Thema. Privat streift der Historiker gerne auf Schusters Rappen durch die Natur oder greift zum Joystick, um auf seinen 8-Bit-Heimcomputern und Konsolen zu spielen.