Immer an den Druckausgleich denken

Ich bin kein klassischer Print-Leser. Unterwegs oder im Urlaub habe ich lieber meinen kompakten Kindle dabei als mehrere Folianten mitzuschleppen. Und wenn ich daheim nicht Online-Nachrichtenmagazine konsumiere, höre ich eben Podcasts oder gelegentlich Hörbücher. Nun könnte man denken, dass Gedrucktes für mich tot ist – ganz so einfach ist es aber nicht.

Ich schätze Printmagazine, die sich mit Technik im Allgemeinen, alten Computern und Videospielen im Besonderen beschäftigen. Beinahe schon paradox, dass ich ausgerechnet bei diesen digitalen Themen auf ein analoges Medium setze. Nennen wir es meinen ganz persönlichen „Druckausgleich“. Denn mit Print verbinde ich eine gewisse Wertigkeit. Die Hefte liegen auf meinem Couchtisch und ich schmökere gerne und oft darin. Dass ich mit diesem Dualismus zwischen Digitalem und Gedrucktem nicht alleine bin, zeigt die wachsende Zahl von Spartenmagazinen im Zeitschriftenhandel: Cosplays, Tattoos, Wandern, Stricken – es gibt nichts, das nicht in Magazinform zu haben wäre.

Print kommt gut an

Dahinter stehen oft renommierte Medienhäuser, die in diesen atomisierten Zielgruppenansprachen ein Geschäftsfeld mit Zukunft sehen. Und die Rechnung geht auf. Daraus lässt sich einiges für die Unternehmenskommunikation ableiten. Denn die meisten Firmen betreiben in vielerlei Hinsicht auch eine Spartenkommunikation. Während sich das klassische gedruckte Mitarbeiter- oder Kundenmagazin freilich so schnell in digitalen Inhalten auflösen lässt wie eine Brausetablette im Wasserglas, sollten wir uns fragen, ob das immer zielführend ist.

Denn es gibt gute Gründe dafür, warum Print neben digitalen Inhalten nach wie vor seinen Platz auf vielen Couch- und Schreibtischen hat. Unter anderem deshalb, weil wir uns auf ein gedrucktes Magazin stärker einlassen als beispielsweise auf Online-Inhalte: Wir machen nicht viel nebenbei (außer vielleicht Musik hören), nehmen das Heft mehrmals in die Hand und verbringen so durchschnittlich rund zwanzig Minuten mit einer Ausgabe. Eine Aufmerksamkeitsspanne, die sich nur sehr schwer mit einem Video oder Online-Beitrag erzeugen lässt.

Darum sind auch Kunden- und Mitarbeitermagazine keineswegs out, im Gegenteil. Nicht nur „hippe“ Marken setzen sie zur Imagepflege ein. Und es lohnt sich, weil sie eine bestimmte Wirkung bei der Zielgruppe erreichen. Print wirkt eben nach wie vor. Darum sollten Unternehmen bei allem berechtigten Eifer um Social Media, E-Zines und Blogs stets auch an einen gesunden „Druckausgleich“ denken.

Über den Autor

Boris Kretzinger

Der Exil-Eifler steuert als Leiter Corporate Media Kundenmedien bei Mainblick, ob gedruckt oder online. Er vertieft sich ebenso gerne in bunte Regionalthemen wie in die anspruchsvolle Recherche zu einem technischen Thema. Privat streift der Historiker gerne auf Schusters Rappen durch die Natur oder greift zum Joystick, um auf seinen 8-Bit-Heimcomputern und Konsolen zu spielen.