In Sachen Kultur: Hört doch mal zu!

Lassen Sie uns über Respekt sprechen. Jetzt. Denn ich bin immer noch wie vom Donner gerührt wegen eines Ereignisses, das sich vor ein paar Tagen im lustigen Städtchen Köln ereignet hat. Und die Geschichte geht so: Im Rahmen eines hochinteressanten Kongresses zum Thema Handelslogistik luden die Veranstalter zur Abendveranstaltung. Tolle Location, Busshuttle, Welcome-Kölsch – das volle Programm. Gut 350 Logistiker sorgten sofort für das akustische Grundrauschen. Der Geräuschpegel war – höflich ausgedrückt – immens, die Stimmung super, Abteilung Familientreffen.

Gegen 20 Uhr wurden dann Preise verliehen. Der „Lean and Green-Award“ würdigt Bemühungen zur Reduktion des CO2-Ausstosses. Er ist heiß begehrt – widmet er sich doch einem Thema, das nicht erst seit Greta Thunberg freitags und an anderen Tagen viele (junge) Menschen bewegt. Ich selbst war neugierig, wer sich mit klugen Ideen und deren Umsetzung als guter Logistiker und noch besserer Arbeitgeber positioniert. Mich hat interessiert, welche Unternehmen sich bei der Reduktion schädlicher Emissionen besonders hervortun. Und wissen Sie was? Ich habe kein Wort verstanden! Die Menschen auf der Bühne haben sich redlich und leider auch vergeblich bemüht, die Aufmerksamkeit des Logistiker-Schwarms auf sich zu ziehen. Doch der Geräuschpegel wollte nicht sinken. Auch Seitenhiebe einzelner Teilnehmer oder kritische Blicke haben die gut gelaunte Masse nicht zum Schweigen gebracht. Und so haben wenigstens die rund 30 Menschen, die direkt vor der Bühne standen, für höflichen Applaus gesorgt und den Preisträgern Respekt gezollt. Dem Rest war es irgendwie egal.

Warum beschäftigt mich diese abendliche Begebenheit so sehr? Weil ich fast täglich in Unternehmen unterwegs bin, die Werte aller Art propagieren, Leitbilder an die Wand nageln und Führungsleitlinien verteilen. Allzu oft beobachte ich allerdings, dass diese Werte nicht gelebt werden, dass Führungskräfte keine Vorbilder sind, dass sich das wahre Innenleben von Unternehmen anders darstellt als das auf der Website propagierte „Wir über uns“. Meine Diagnose: Es fehlt Zeit zur Reflexion! Mein Therapievorschlag: Hören wir endlich mit diesem unglaubwürdigen Business-Bullshit-Bingo auf! Lassen Sie uns wirklich hinhören, aufmerksam sein, zugewandt kommunizieren. Begegnen wir anderen Menschen mit Respekt und Würde, nehmen wir uns Zeit, nicht nur über Werte zu sprechen, sondern diese auch zu leben. Das Kölsch schmeckt dann trotzdem noch!

Über den Autor

Uwe Berndt

Der ausgebildete Organsiationsentwickler ist seit über 16 Jahren der Kapitän des Mainblick-Schiffes. Er sieht Unternehmenskultur und Werte als Basis einer nachhaltigen B2B-Kommunikation an. Sein besonderes Interesse gilt der Kommunikation im Wandel. Privat trifft man den gebürtigen Frankfurter regelmäßig in der Fankurve des Eintracht-Stadions.

2 Kommentare

  • Danke, lieber Uwe Berndt, für diesen Blogpost.

    Ich habe kürzlich bei einem sehr interessanten Austausch mit einem Geschäftspartner über das Thema Unternehmenskultur einen schönen Satz gehört: “Zuhören ist der Feenstaub”.

    Viel wichtiger als ein gutes gesprochenes Wort ist es noch, gehörte Worte zu verstehen und auf dieser Grundlage den Dialog zu gestalten. Nicht selten verstecken sich im Gesagten des Gegenübers kleine wert-volle Signale. Wer sie hört, versteht und aufnimmt, wird sein Gegenüber erreichen. Und das ist eine unverzichtbare Grundlage für eine erfolgreiche Führungsarbeit und eine werteorientierte Unternehmenskultur. Wer sich dies auf die Fahnen schreibt, der sollte auch wirklich zuhören können.

    • Liebe Frau Schneider,
      vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Auch aus meiner Perspektive spielt das Zuhören – und vor allem das Hin-Hören – eine essentielle Rolle in der Führung. Wer gezielt nachfragt, rückt zu dem in tiefere Schichten vor und hat die Chance, an die wirklich wichtigen (und relevanten) Botschaften zu kommen.
      Herzlich, Uwe Berndt