Der Strombedarf der deutschen Logistik wird sich bis 2045 verachtfachen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH Aachen University im Auftrag des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik. Demnach wird die Branche bis 2045 rund 186 Terawattstunden Strom pro Jahr benötigen. Das entspricht 14 Prozent des prognostizierten nationalen Gesamtstrombedarfs – und bereits 2035 wird die Logistik mehr Strom verbrauchen als die deutsche Stahl- und Chemieindustrie zusammen.
Elektrifizierung treibt den Energiebedarf
Der Hauptgrund für diese Entwicklung ist die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs. Bis 2045 entfallen nach den Berechnungen rund 84 Prozent des gesamten Strombedarfs von Logistikimmobilien, Straßen- und Schienengüterverkehr auf elektrisch betriebene Lkw. Dem Baseline-Szenario der Studie liegt die Annahme zugrunde, dass die europäischen CO₂-Flottengrenzwerte weitgehend umgesetzt werden. Demnach müssen ab 2040 bereits 90 Prozent aller neu zugelassenen Lkw lokal emissionsfrei sein.
Besonders herausfordernd wird dabei nicht nur der steigende Gesamtbedarf, sondern auch die zeitliche Bündelung des Stromverbrauchs. Wenn in Wintermonaten abends an Werktagen Lkw-Flotten in Depots geladen werden, Gebäudebetriebslasten steigen und gleichzeitig Schienentraktionslasten anfallen, könnten Überlagerungsspitzen von 57,09 Gigawatt entstehen. Das entspricht 70 Prozent der heutigen deutschen Systemspitze.
Netze und Energieversorgung müssen Schritt halten
Die Eigenversorgung bietet natürlich noch Potenzial, so können Dachflächen beispielsweise noch konsequenter mit PV-Anlagen ausgestattet werden. Die Studie macht aber auch deutlich: Dieser Ausbau allein wird den steigenden Energiebedarf nicht decken können. Der DSLV fordert deshalb einen beschleunigten Netzausbau auf allen Ebenen, schnellere Genehmigungs- und Anschlussverfahren sowie wettbewerbsfähige Strompreise. Darüber hinaus sollen Logistikstandorte stärker zu Energie-Hubs mit Photovoltaik und Batteriespeichern entwickelt und regulatorische Hürden beim Einsatz selbst erzeugten Stroms abgebaut werden.
Eins ist klar: Die Dekarbonisierung der Logistik geht weit über den Austausch von Diesel- gegen Elektrofahrzeuge hinaus. Mit jedem zusätzlichen E-Lkw steigen auch die Anforderungen an die Energieinfrastruktur. Die Wettbewerbsfähigkeit der Branche entscheidet sich demnach künftig nicht nur auf der Straße, sondern zunehmend auch am Stromnetz.
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